Am 4. Juni 2026 lud die WWW-STIFTUNG zum EUROPA SALON in die Halle 424, Hamburg.

„Staatsräson nach dem 7. Oktober: Die deutsche Debatte über Israel und Gaza“ Prof. Dr. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main

Zu einem ebenso informativen wie diskussionsfreudigen Europa-Salon begrüßte die WWW-STIFTUNG am Donnerstagabend zahlreiche Gäste in der Halle 424 in Hamburg. Unter dem Titel „Staatsräson nach dem 7. Oktober: Die deutsche Debatte über Israel und Gaza“ sprach Prof. Dr. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main, über die historischen, politischen und gesellschaftlichen Dimensionen eines der aktuell kontroversesten Themen Deutschlands.

Mendel gelang es, die oftmals emotional geführte Debatte historisch einzuordnen und dabei unterschiedliche Perspektiven verständlich zu machen. Besonders aufschlussreich war seine Analyse des Begriffs der deutschen Staatsräson. Er erläuterte, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel diesen Begriff ursprünglich stärker auf die territoriale Sicherheit Israels bezogen habe, während die heutige politische Interpretation teilweise weiter gefasst werde.

Ebenso beleuchtete Mendel die Entwicklung der deutsch-israelischen Beziehungen und erinnerte daran, dass die Bundesrepublik Deutschland erst im Jahr 1965 diplomatische Beziehungen zu Israel aufgenommen hat, anläßlich des Besuchs von Walter Ulbricht in Ägyptens, ein historischer Kontext, der für das Verständnis der heutigen Debatten von großer Bedeutung sei.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Unterstützung des Existenzrechts Israels und die kritische Auseinandersetzung mit dem Handeln der jeweiligen israelischen Regierung kein Widerspruch sein müssen. Vielmehr sei eine demokratische Debattenkultur darauf angewiesen, zwischen der Solidarität mit Israel, der Wahrung des Völkerrechts und der entschiedenen Bekämpfung von Antisemitismus zu unterscheiden.

Für die WWW-Stiftung unterstreicht der Abend die Bedeutung offener Gesprächsformate. Gerade in gesellschaftlich polarisierten Zeiten brauche es Räume, in denen kontroverse Themen respektvoll, faktenbasiert und differenziert diskutiert werden können.

Die Gäste nutzten den anschließenden Empfang bei kleinen Köstlichkeiten und Getränken zu zahlreichen vertiefenden Gesprächen.